Was man nicht hört, kann trotzdem wirken: Warum Infraschall von Windkraftanlagen ernsthaft untersucht werden muss
Die unsichtbare Seite der Energiewende
Es gibt Dinge, die man sieht. Es gibt Dinge, die man hört. Und dann gibt es Einflüsse, die man weder sieht noch bewusst hört – und die trotzdem auf den Menschen wirken können. Infraschall gehört genau in diese Kategorie. Viele Bürger im Landkreis Harburg machen sich Sorgen, ob die geplanten großen Windkraftanlagen nicht nur Strom produzieren, sondern auch gesundheitliche Belastungen mit sich bringen könnten.
Unser Antrag vom April 2026
Die AfD-Fraktion im Kreistag des Landkreises Harburg hat daher im April 2026 einen Antrag gestellt, der diesen bislang zu wenig beachteten Aspekt ernst nimmt. Wir fordern eine gründliche Untersuchung der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall.
Konkret verlangen wir:
- die Einholung eines unabhängigen Gutachtens,
- die Berücksichtigung internationaler Studien und Gerichtsurteile,
- die Anpassung der Abstandsregelungen,
- und einen Bericht der Ergebnisse an den Kreistag.
Der Hintergrund: Große Pläne, offene Fragen
Im Landkreis Harburg sind gewaltige Flächen für Windkraft vorgesehen – fast 4.000 Hektar. Die geplanten Anlagen sollen deutlich größer und leistungsstärker werden als bisherige Modelle. Je größer die Anlagen, desto stärker fallen technische Begleiterscheinungen aus. Viele Menschen fragen sich deshalb ganz berechtigt: Sind wirklich alle Auswirkungen auf die Gesundheit ausreichend geprüft worden?
Was ist Infraschall eigentlich?
Der Antrag erklärt einen wichtigen technischen Unterschied, der in der öffentlichen Diskussion oft untergeht. Normaler Schall wird in dB(A) gemessen – also so, wie das menschliche Ohr ihn wahrnimmt. Infraschall liegt jedoch bei Frequenzen unter 20–40 Hz und ist für die meisten Menschen nicht hörbar. Die üblichen Messmethoden blenden genau diesen niedrigen Frequenzbereich weitgehend aus. Was gemessen wird, ist also nicht unbedingt das, was physikalisch auf den Körper einwirkt.
Impulsartige Druckwellen statt gleichmäßigem Brummen
Infraschall von Windkraftanlagen entsteht nicht als gleichmäßiges Geräusch, sondern als impulsartige Druckwellen. Diese sind mit herkömmlichen Mikrofonen nur schwer zu erfassen. Gleichzeitig verweist der Antrag auf neue medizinische Erkenntnisse, etwa zur Reaktion des Körpers über sogenannte PIEZO-Kanäle auf mechanische Schwingungen. Es ist noch kein abgeschlossener Forschungsstand – und genau das macht vielen Bürgern Sorgen. Reicht unser bisheriges Wissen wirklich aus, um alle Risiken sicher auszuschließen?
Beschwerden, die man ernst nehmen muss
Internationale Gerichtsurteile haben Infraschall in einigen Fällen bereits als Ursache für gesundheitliche Probleme anerkannt. Betroffene berichten von Symptomen wie:
- anhaltenden Kopfschmerzen,
- Schlafstörungen,
- Schwindelgefühlen,
- und innerer Unruhe oder Angstzuständen.
Das betraf teilweise Anlagen, die deutlich kleiner waren als die heute geplanten. Für die Menschen, die direkt in der Nähe wohnen sollen, ist das keine theoretische Debatte mehr.
Vorsorge statt Nachsorge
Genau hier kommt ein wichtiges Prinzip ins Spiel: das Vorsorgeprinzip. Man muss nicht erst beweisen, dass bereits Schäden entstanden sind. Es reicht, wenn es plausible Hinweise auf mögliche Risiken gibt. Der Antrag sagt deshalb ganz klar: Erst gründlich prüfen, dann entscheiden. Das ist verantwortungsvolle Politik.
Konkrete Forderung zu Abständen
Neben dem Gutachten fordert der Antrag auch eine Anpassung der Abstandsregelungen. Wir schlagen vor, mindestens 1.300 Meter Abstand zu Wohngebieten einzuhalten. Wenn gesundheitliche Risiken nicht sicher ausgeschlossen werden können, muss der Schutz der Bürger Vorrang haben – das ist unsere feste Überzeugung.
Der Kern des Konflikts
Hier treffen zwei wichtige Ziele aufeinander: Der Ausbau der Energiewende auf der einen Seite und der Schutz der Gesundheit der Menschen vor Ort auf der anderen. Die Frage ist nicht, ob Infraschall existiert. Die Frage ist, ob wir verantwortungsvoll damit umgehen. Viele Bürger haben das Gefühl, dass diese Sorgen bisher zu oft einfach beiseitegeschoben werden.
Unser Ansatz
Unser Antrag fordert kein generelles Verbot von Windkraft. Er fordert auch kein sofortiges Umdenken. Er fordert etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Klärung. Solange wichtige Fragen offen sind, bleibt bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl. Und mit dieser Unsicherheit darf man nicht einfach so weitermachen. Man muss sie ernst nehmen und untersuchen.
Wir wollen, dass die Menschen im Landkreis Harburg nicht nur Strom bekommen, sondern auch mit gutem Gewissen in ihren Häusern wohnen können – ohne Sorge vor Auswirkungen, die man nicht sieht und nicht hört, die aber trotzdem da sein könnten.
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